Notfall Seele

Notfall: Verletzte Seele

Wenn Ihnen selbst ein Unfall oder ein anderes schreckliches Ereignis widerfährt – oder Sie Zeuge davon werden, wie dies einem anderen Menschen geschieht – kann auch Ihre Seele verletzt werden.

Neben körperlichen Verletzungen gibt es auch psychische Beeinträchtigungen, die aufgrund traumatischer (=verletzender) Ereignisse entstehen können. Natürlich reagiert jeder Mensch auf seine besondere Weise auf schlimme Erfahrungen; es gibt jedoch eine Reihe von Reaktionen, die bei vielen Menschen auftreten.

Folgende Reaktionen sind normal, wenn Sie selbst großer Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt waren, oder beobachten mussten, wie jemand anders sich schwer verletzte oder starb:

  1. auf der Ebene der Gedanken, des Verstandes:
    Verwirrt sein, sich sorgen, sich Selbstvorwürfe machen, desorientiert sein, Gedanken an das schlimme Ereignis haben und innere Bilder davon erleben, die sich immer wieder aufdrängen, …
  2. auf der Ebene der Gefühle:
    Angst haben, wütend sein, Trauer empfinden – oder kaum etwas fühlen, wie abgestumpft sein, …
  3. auf der Ebene des Körpers:
    dumpfe Müdigkeit, Kopf- und Bauchschmerzen, verspannte Muskeln, sehr schreckhaft sein, einen schnelleren Herzschlag haben, …

Diese und andere Reaktionen sind ganz natürliche Folgen der extremen Belastung, der Sie ausgesetzt waren. In den allermeisten Fällen werden die Beeinträchtigungen immer weniger, je mehr Sie das schlimme Ereignis verarbeiten. Oft dauert diese erste, intensive Verarbeitung etwa 14 Tage; danach sind die genannten Folgen des traumatischen Erlebens deutlich gemindert.

Hilfreich für die Zeit nach einem schlimmen Ereignis ist:

  • den Alltag strukturieren,
  • genug und gesund essen,
  • Kontakt zu anderen Menschen haben,
  • über das Erlebte sprechen – aber nicht nur darüber!
  • Angenehme Dinge unternehmen, die Sie anderes denken und fühlen lassen,
  • gemäßigte körperliche Bewegung,
  • Entspannungsmethoden anwenden (Atemtechniken, beruhigende Musik hören, Autogenes Training etc.)

Sollten Sie trotzdem 2 Wochen nach dem Ereignis noch unter den genannten Folgen leiden, ist es ratsam, sich an einen Psychotherapeuten zu wenden. Denn dann besteht die Gefahr, dass aus den normalen menschlichen Reaktionen auf ein schlimmes Ereignis ein chronifiziertes Leiden werden könnte, die sogenannte Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Weitere, ausführliche Informationen finden Sie auf der Homepage der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen auf der Seite „Psychsoziale Notfallhilfen“ (PDFs zum downloaden).

Veröffentlicht in „Witten transparent“, Heft Januar 2011