Depressionen und Herzerkrankungen

Depressionen und Herzerkrankungen:
Ein Übel kommt selten allein

Was ist eine Depression und wer ist betroffen?

Eine Depression ist eine Erkrankung, die den ganzen Menschen betrifft. Depressive Menschen fühlen sich niedergeschlagen, traurig und verzweifelt, oder sie haben das Empfinden einer großen inneren Leere. Dinge, die ihnen zuvor Freude gemacht haben, werden nun oft als Belastung angesehen. Depressive Menschen neigen dazu, sich von anderen zurückzuziehen. Es fällt ihnen generell schwer, sich zu etwas zu motivieren, sie sind antriebsarm und fühlen sich müde und erschöpft. Bei Depressionen können Konzentrationsfähigkeit und Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigt sein. Häufig quälen Sorgen, Befürchtungen, Gedanken über eigenes Versagen und das Empfinden von Wertlosigkeit den Betroffenen. Ein depressiver Mensch leidet oft unter der „düsteren Trias“: Er sieht sich selbst, die Welt und die Zukunft negativ.

Eine Depression verläuft meist in Phasen. Diese können unterschiedlich lange dauern und verschieden schwer sein. Bei der sog. „unipolaren“ Depression gibt es nur „Tiefs“ (depressive Phasen oder Episoden), bei der sog. „bipolaren“ Störung gibt es Tiefs und Hochs (manische Phasen).
In Deutschland sind ca. 11 % der erwerbstätigen Bevölkerung, 5 % der Kinder und Jugendlichen, sowie etwa 9 % der älteren Menschen depressiv erkrankt.

Folgen einer Depression: Doppelt so hohes Risiko für Herzerkrankung

Die Depression ist eine potentiell tödliche Erkrankung! Man geht davon aus, dass etwa 7000 der jährlich 10.000 Suizide mit einer Depression zusammenhängen. Doch die schlimmen Folgen reichen noch weiter: Depression ist nicht nur eine Krankheit, sondern kann auch noch zu weiteren Erkrankungen wie z.B. denen des Herzens führen.
Für einen depressiven Menschen ist das Risiko, eine Herzerkrankung zu erleiden, doppelt so hoch wie für nicht depressive Menschen! Die Gefahr, an einer Form der Herzerkrankung zu sterben, ist bei einer Depression sogar 3-fach erhöht!

Wieso kann eine Depression das Herz (be)treffen?

Eine Depression entsteht durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Faktoren. Gene, biologische Aspekte (z.B. ein Mangel an wichtigen Botenstoffen im Hirn) und Umweltbedingungen wie Stress oder schlimme Erfahrungen können – vor allem im Zusammenspiel – depressiv machen.
Depression kann als chronischer Stress aufgefasst werden, der Körper, Geist und Psyche über längere Zeiträume hinweg belastet.
Wenn wir Stress empfinden, schüttet der Körper ein Übermaß an Stresshormonen aus. Diese können den Blutdruck erhöhen, die Immunabwehr schwächen, den Herzmuskel angreifen und zu entzündlichen Prozessen führen, die dann Arteriosklerose („Arterienverkalkung“) zur Folge haben. Außerdem wird die Thrombozytenaktivität (Tätigkeit der Blutplättchen) beeinflusst, und es besteht die Gefahr einer Thrombose.
Forschungen haben gezeigt, dass Stress ein genauso großes Risiko für einen Herzinfarkt darstellt wie Rauchen, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen. Dies gilt für Männer und Frauen, verschiedene Altersgruppen und alle untersuchten Regionen.

Auch umgekehrt: Herzerkrankungen können depressiv machen

Das Herz ist für uns der physische Kern unserer Existenz. Wenn es sich anders verhält als gewohnt oder ernsthaft erkrankt ist, erleben wir das als unmittelbare existentielle Bedrohung. Das macht Angst , Todesangst, manchmal ständig und unaufhörlich. Es ist eine immense Belastung unserer Psyche, und wir stehen unter permanenter Anspannung.
So kann die Herzerkrankung zu einem großen Stressfaktor werden, der eine Depression auslöst. Studien zeigen, dass jeder 2. Patient nach einem Herzinfarkt eine Depression bekommt. Diese Depression wiederum wird bei der Hälfte der Betroffenen während einer erfolgreichen Reha wieder überwunden.

Folgen für Erkrankte

Wenn Sie depressiv sind oder werden, verlieren Sie Ihr Herz nicht aus den Augen! Wenn Sie an einer Herzerkrankung leiden, denken Sie daran, dass diese Belastung depressiv machen kann! Beide Erkrankungen, die des Herzens wie die der Seele, brauchen fachkundige Behandlung. Menschen, die von beiden Übeln betroffen sind, sollten sich Hilfe von Arzt/Ärztin und Psychotherapeut/Psychotherapeutin holen.

Eine Psychotherapie für Menschen, die an Herzerkrankungen leiden, kann helfen, indem sie z.B.:

  • den Patienten unterstützt, einen angemessenen Umgang mit der Krankheit zu finden,
  • krankheitsbezogene Ängste abbaut,
  • den Aufbau eines positiven Lebensstils (körperliche Aktivität, gute Ernährung, kein Nikotinkonsum etc.) unterstützt,
  • Stressmanagement und Entspannungsübungen vermittelt,
  • dabei hilft, auch negative Gefühle anzuerkennen und auszudrücken,
  • daran arbeitet, zwischenmenschliche Beziehungen befriedigender zu gestalten,
  • eine „helle Trias“ vermittelt, d.h. eine positive Sicht auf sich selbst als Teil einer zugewandten Gemeinschaft und einer gestaltbaren Zukunft.