Liebe ist…

Liebe ist immer mehr als „eins“

„Etwas Philosophisches über die Liebe“

Die Liebe? Man kann so vieles lieben: Partner, Partnerin, Eltern, Kinder, Gott, Natur, Tiere… Das fühlt sich jeweils anders an und gestaltet sich unterschiedlich. Ist das trotzdem alles „Liebe“? Was muss gegeben sein, damit es angebracht ist, von „Liebe“ zu sprechen?

Das Kernelement von Liebe scheint mir der Bezug zu, bzw. auf jemanden oder etwas zu sein. Der Liebende geht mit seiner Aufmerksamkeit, seinem Bestreben und Handeln über sich selbst hinaus und wendet sich jemand oder etwas anderem zu. Er sieht nicht nur sich und seine Bedürfnisse, sondern erweitert seinen Blick um die Besonderheit eines Mit-Lebewesens.
Lieben und sich geliebt zu wissen sind fundamentale und existentielle menschliche Bedürfnisse. Ein Kind, das von Geburt an keine Liebe bekommt, stirbt. Eine Seele, egal welchen Alters, die nicht liebt, verkümmert. Warum ist das so? Weil jemand, der nichts und niemanden liebt, zu nichts und niemandem einen Bezug hat. Das heißt, er ist isoliert und ver-ein-samt. Liebe ist immer mehr als „ein(s)“.

Menschen sind soziale Wesen und brauchen die Verbindung miteinander. Wir benötigen darüber hinaus auch einen örtlichen, personellen, zeitlichen und spirituellen Bezug. Sich geliebt zu wissen (also sich verbunden zu fühlen) heißt, die eigene Existenz nicht als zufällig und beliebig, sondern als gewollt und sinnhaft zu erleben. Jemanden oder etwas zu lieben – sich ihm verbunden zu fühlen – führt dazu, dass dem Liebenden das Wohlergehen des anderen wichtig wird.

Aus der Glücksforschung ist bekannt, dass Engagement für andere eine wesentliche „Glückszutat“ ist. Das Geschenk von Zeit, Kraft, Ideen, „Herzblut“, das altruistische Geben jenseits des Egoismus macht den Schenkenden glücklich. Er erlebt sich als Teil von etwas Größerem, zu dessen Wohl er beiträgt. Das macht ihm seine „Wirkmächtigkeit“ deutlich; er ist kein Opfer, ohnmächtig und hilflos den Gegebenheiten ausgeliefert, sondern kann Einfluss nehmen. Die Psychologie lehrt, dass eine Ursache von Depression das Empfinden von Hilflosigkeit ist. Aus der Vereinzelung herauszukommen, sich zu engagieren, sich anzuschließen und teilzuhaben kann glücklich machen. Kein Wunder also, dass „Liebe“ und „Glück“ sich so ähnlich anfühlen.

„Lieben in Witten“ heißt für mich auch, meinen Teil zu dem Gesamtwohl beizutragen. Das ist dann nicht mehr nur philosophisch gedacht, sondern auch ganz praktisch handzuhaben.

Veröffentlicht in „Witten transparent“, Heft Oktober 2010