Saisonale Depression und Winterblues

Fühlen Sie sich in dieser „dunklen“ Jahreszeit

  • Traurig oder ängstlich?
  • Sind sie launisch oder gereizt?
  • Haben Sie keine Lust mehr auf Aktivitäten, die Ihnen vorher Freude bereitet haben?
  • Ist Ihnen alles zu viel?
  • Fühlen Sie sich ständig müde und würden am liebsten den ganzen Tag verschlafen?
  • Haben Sie Heißhunger auf Süßigkeiten, Brot- oder Teigwaren?

Dann könnten Sie unter einer sogenannten „saisonalen Depression“ (SAD) leiden. Diese Variante der wiederkehrenden Depression zeichnet sich dadurch aus, dass sie uns nur in den Monaten mit wenig und schwach ausgeprägtem Tageslicht heimsucht.

Die Diagnose „saisonale Depression“ wird dann gestellt, wenn die Symptome im Herbst zwischen Anfang September und Ende November auftreten und zwischen Mitte Februar und Mitte April nachlassen. Außerdem müssen für das Stellen dieser Diagnose solche depressiven Phasen in mindestens 3 Kalenderjahren aufgetreten sein, wobei mindestens 2 dieser 3 Jahre aufeinanderfolgen sollen.

Was verursacht diese saisonale Depression?

Wie bei jeder anderen klinischen Depression liegt auch bei der SAD ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn vor. Dieses Ungleichgewicht zwischen Serotonin, Noradrenalin und Dopamin wird bei der saisonalen Depression durch den Mangel an Licht in der dunklen Jahreszeit ausgelöst. In den „hellen“ Monaten stimmt die Tagesaktivität nahezu mit Dauer des Tageslichts überein. Unser Aufstehen läuft mit dem Sonnenaufgang und unser Zubettgehen mit dem Sonnenuntergang annährend parallel. In der dunklen Jahreszeit hingegen scheinen mit der Abnahme des Tageslichtes die Tage insgesamt kürzer zu werden. Wer ist schon um 17.00 Uhr mit seinem gesamten Alltagsprogramm inklusive Beruf, Haushalt, Hobby u.a.m. fertig? Andererseits können es sich nur Wenige leisten, in den Herbst- und Wintermonaten erst mit der Sonne aufzustehen. Unser Lebensrhythmus gelangt in der dunklen Jahreszeit also aus dem Takt. Unser Körper produziert mehr vom „Schlafhormon“ Melatonin, das lässt uns schläfrig und müde werden. Durch den Heißhunger auf Süßes oder andere kohlenhydratreiche Lebensmittel versucht der Körper den Serotoninmangel (Serotonin = „Glückshormon“) auszugleichen. Es gibt also nicht nur kulturelle oder religiöse Gründe, warum wir uns in der dunklen Jahreszeit an Kerzen, Lichtern, Lebkuchen und co. so erfreuen!

Wie viele Menschen von der SAD betroffen sind, weiß man nicht so genau. Wissenschaftler gehen von 10 Millionen Betroffener in Deutschland aus, andere nehmen an, dass hier mindestens 20 Millionen eine Anfälligkeit für diese Erkrankung haben. Im dauersonnigen Florida geht man von 4 %, in Alaska hingegen von 28 % erkrankter Menschen aus. Frauen erkranken dreimal häufiger an der SAD als Männer.

Wenn Sie betroffen sind:

Wenn Sie an einer saisonalen Depression leiden, sollten Sie fachkundige Hilfe in Anspruch nehmen. Wenden Sie sich in dem Fall bitte an Psychotherapeuten, Psychiater oder Hausärzte. SAD werden mit spezieller Lichttherapie, Antidepressiva und/oder Psychotherapie behandelt.

Der Winterblues

Viele Menschen entwickeln nicht das Vollbild einer klinisch relevanten saisonalen Depression, sondern leiden unter der schwächeren Variante, dem sogenannten Herbst- oder Winterblues. Dieser zeichnet sich durch eine deutlich geringere Ausprägung der o.g. Symptome aus.

Wenn Sie unter dem „Blues“ leiden, können Sie selbst das dagegen tun:

  • Wirken Sie auf die körpereigene Produktion der „Glückshormone“ ein, in dem sie sich trotz Wind und Wetter möglichst viel an der frischen Luft bewegen.
  • Achten Sie besonders jetzt auf gesunde Ernährung. Selbstverständlich sind ab und an kleine Leckereien als Seelenstreichler dabei erlaubt! Hören Sie Musik, die Sie in gute Stimmung versetzt (das synchronisiert auch unseren inneren Taktgeber, der in der dunklen Jahreszeit aus dem Rhythmus kommt).
  • Licht, Licht, Licht! Umgeben Sie sich mit so viel Licht wie möglich.
  • Und – sehr wichtig: Gestatten Sie sich, in dieser Jahreszeit weniger leisten zu müssen. Es ist jetzt stimmig, weniger aktiv nach „außen“ zu sein, sondern sich mehr nach innen zu wenden. Gefühle wie Wehmut, Trauer, Sehnsucht sind per se keine Krankheit, sondern können ebenso wichtige Ratgeber wie Freude, Fröhlichkeit und Lust sein. Inne halten, zurück auf das sich neigende Jahr schauen, für das nächste Pläne schmieden. Das ist jetzt die beste Zeit dafür!